Pseudophasma acanthonota

(phot. Dirk Eckardt)

Eine Stabschrecke aus Venezuela

Bei dem recht skurril gebauten, gut flugfähigen und ca. 8-12cm langen Insekt Pseudophasma acanthonota aus dem nördlichen Südamerika (es gibt noch zwei weitere Arten: P. necydaloides, die aus Französisch-Guayana bekannt ist, und P. rufipes aus Peru) handelt es sich um einen Bewohner der Regenwälder und Savannen. Sie ist im tropischen Terrarium zu halten und zu züchten, d.h. man sollte für Temperaturen um etwa 25-27°C und für eine Luftfeuchtigkeit um ca. 80% sorgen. Täglich sprühe ich das Terrarium mit zimmerwarmen Wasser aus, wobei ich auch die Futterpflanze benetze.

Pseudophasma acanthonota nimmt Brombeer-, Himbeer-, Rosen- und Eichenlaub als Futter an, wobei ich Brombeere bevorzuge, da sich diese Pflanze auch in der kalten Jahreszeit gut finden lässt. Einzig die recht starken Dornen machen das Sammeln/Schneiden und Einsetzen in einen Wasserbehälter (gegen das Ertrinken der Insekten mit einem Wattestopfen gesichert) im Terrarium dann und wann zum heftigen Schmerztest (Handschuhe sind dienlich!).

Die Stabschrecken sind nachts aktiv und klettern dann viel im Geäst umher. Tagsüber ruhen sie an der Unterseite des Blattes oder an den Behälterwänden, oft gleich zu mehreren beisammen.

(phot. Dirk Eckardt)

Die Venezolanische Stabschrecke verfügt über ein sehr wirksames Abwehrsekret, welches aus Drüsen etwa in Höhe des "Nackens" ausgestoßen wird. Schon bei Larven spürt man eine gewisse Wirkung, die aber bei adulten Tieren recht heftig werden kann: Das sehr stechend riechende Sekret erzeugt ein Brennen auf der Haut und kann, einmal versehentlich in den Mund gelangt, Würgereize und einen unangenehm "metallischen" Geschmack hervorrufen (sofort ausspülen!). Nicht in die Augen gelangen lassen! Ich trage beim Hantieren im Terrarium stets Einmal-Latexhandschuhe.

Die Art ist nur etwas für den erfahrenen Phasmidenpfleger und gehört besser nicht in Kinderhände!

Zur Zeit ziehe ich eine Vielzahl von Tieren diversen Alters auf. 

Beide Geschlechter tragen Flügel, geschlechtsreife Männchen (links) bleiben normalerweise kleiner als ebensolche Weibchen (rechts):

(phot. Dirk Eckardt)

Die Weibchen lassen die Eier einfach zu Boden fallen, wo sie nach etwa 3-5 Monaten die Larven entlassen. Ich sammle die Eier und lasse sie in einer mit feuchtem Sand gefüllten Plastikdose schlüpfen.

Ein Insektarium für Stab- bzw. Gespenstschrecken, gleich welcher Art, kann zweckmäßig eingerichtet sein. Das häufige Wechseln der Futterzweige sollte schnell und problemlos vonstatten gehen können. Eine Sandschicht auf dem Boden, stets feucht gehalten, kann hin und wieder vom Kot und von Blattresten gereinigt werden. Die Futterzweige sind gleichzeitig auch Klettergerüst und Häutungshilfe:

(phot. Dirk Eckardt)

Ich pflege als zusätzliche Art Baculum thaii aus Thailand mit im Terrarium der P. acanthonota. Beide Arten haben die gleichen Ansprüche an Klima und Futterpflanze. Die stabförmigen Baculum sind ein optischer Gegensatz zu den stachligen Pseudophasma:

(phot. Dirk Eckardt)

Bereits kurz nach Erreichen der Geschlechtsreife finden bei P. acanthonota die Paarungen statt:

(phot. Dirk Eckardt)

Die Eier von P. acanthonota sind verhältnismäßig klein. Das Weibchen legt pro Tag nur ein Ei ab:

(phot. Dirk Eckardt)