Die Haltung, Pflege und Zucht von
Agalychnis callidryas
(Rotaugenlaubfrosch)
(Text und Fotos von Dirk Eckardt)

Der herrlich gefärbte Rotaugenlaubfrosch (Hylidae) stammt aus Mittelamerika, wo er unterschiedliche Biotope bewohnt. Oft findet man ihn in Küstennähe und dort insbesondere im Tieflandregenwald immer in Bereichen mit temporären (zeitweilig austrocknenden) und steten Gewässern. Er ist ein dämmerungs- und nachtaktives Geschöpf, das den Tag zusammengekauert (Vorder- und Hintergliedmaßen werden eng an den Körper angelegt, die Augen werden in den Schädel eingezogen) unter breiten Blättern verbringt.
Die adulten Weibchen erreichen gut 80mm Körperlänge, Männchen bleiben mit 65-70mm etwas kleiner und zierlicher.

Dieser atemberaubende Froschlurch, dessen Portrait immer wieder in der Werbung auftaucht, zählt zu den farbigsten überhaupt (nur die Pfeilgiftfrösche und Madagaskar-Mantella sind ähnlich bunt), wodurch er für den Terrarianer äußerst interessant ist. Seine giftgrüne Körperfarbe, die leuchtend roten Augen mit den tiefschwarzen Pupillen, die blauen Flanken und teilweise hell-orange Füße machen ihn unverwechselbar.

Ich pflege derzeit eine Gruppe von ausgewachsenen Tieren, die ich selbst aus einem Gelege aufgezogen habe. Das Gelege stammt von Elterntieren, die an der Karibikküste Costa Ricas, genauer in Cahuita, leben (rot markierter Bereich der Karte unten).

1998 konnte ich ein etwa 30 Eier umfassendes Gelege mit nach Deutschland bringen, die eine knappe Woche später, noch im Ursprungsland, schlüpften. Die Larven, nach Aufzehren des Dottervorrats, nahmen gierig Fischfutter in Flockenform an, das fein zerrieben wurde (die Quappen sind Filtrierer). Die erste Hälterung und der Transport fanden in einer Plastikflasche statt, wobei das erste Aufzuchtwasser der Quappen das Original-Hotel-Tümpelwasser der Alttiere war. Ausfälle durch Wurmbefall, wie er bei dieser Art oft vorkommt, konnten nicht verzeichnet werden.

Zuhause angekommen, bezogen die Quappen ein Plastikaquarium mit abgestandenem Aquarienwasser (sollte sich später beim Wasserwechsel als nicht mehr nötig erweisen), Luftauströmerstein, der an eine Membranpumpe angeschlossen war, Moorholzwurzeln mit Algenbewuchs und Leuchstoffröhren-Beleuchtung, die auch für die nötige Wärme von ca. 26°C sorgte. Die Beleuchtung war etwa 12 Stunden täglich eingeschaltet. Gefüttert wurde (sparsam) mit zerriebenem Fischfutter (TetraMin und TetraPhyll). Vitaminisiert wurde nicht.
Verschiedene Entwicklungsstufen beim Rotaugenlaubfrosch: Links sind die Vorderbeine noch nicht durchgebrochen. Rechts ist dies bereits geschehen, auch die Kopfform ähnelt schon eher dem fertigen Jungfrosch. In diesem Stadium klettern die Tiere bereits schon an Land.
Nach etwa 3 Monaten stiegen die ersten Fröschchen ans Ufer. Sie bezogen sofort danach ein Kleinterrarium, das mit Spatyphyllum (Einblatt) und Sphagnummoos ausgestattet war. Täglich wurde 2x reichlich besprüht (zimmerwarmes Wasser) und nach etwa einer Woche wurden kleine und große Drosophila als erste Nahrung gereicht, die ohne Probleme akzeptiert wurden. Ich vitaminisierte von Zeit zu Zeit die Fruchtfliegen, aber auch die zusätzlich gereichten Heimchen mit Korvimin ZVT, einem staubfeinen Puder, der an Vitaminen und Mineralstoffen ein breites Spektrum abdeckt. Die Zahl der Jungfrösche betrug am Ende 28. Einige Tiere wurden im Verlauf abgegeben. Dies ist auch nötig, denn Frösche, insbesondere Hyliden wie die Rotaugenlaubfrösche, vertilgen gigantische Futtermengen und scheiden gewaltige Kotmengen aus. Terrarien sind dann und wann komplett gut zu reinigen (Hautinfektionen!)

Erst wenige Tage an Land ist dieser junge Rotaugenfrosch. Sein Schwanzrest wird resorbiert und nicht etwa abgeworfen!
Mit zunehmendem Wachstum wurde es nötig, die Rotaugenfrösche auf mehrere Behälter aufzuteilen, später zudem in größere Terrarien umzusiedeln. Zur Zeit leben die 9 verbliebenen Exemplare, die nun schon immerhin gut 65mm im Mittel messen, in einem 80x80x80cm großen Würfelterrarium mit sehr dichter Bepflanzung aus Bromelien (Vriesea, Aechmea u.a.) und Efeututen (Raphidophora aurea, früher Scindapsus). Beleuchtet wird das Schauterrarium mit einem Spotstrahler, der auch für Wärme sorgt (lokal etwa 35°C). Täglich wird mit zimmertemperiertem Wasser gesprüht.

Terrarium für Rotaugenlaubfrösche

Das Terrarium lässt sich auch hervorragend in den Wohnraum intergrieren
An Nahrung erhalten die Frösche alle gängigen Futterinsekten, vor allem Grillen und Heimchen. Sogar Drosophila werden von den Tieren immer noch gerne genommen. Ich füttere die Heimchen und Grillen ausreichend mit Salatgurke, Haferflocken usw., um diese "aufzuwerten"!
Die Aktivitätszeit liegt in den Abend- und Nachtstunden. Bereits etwa 10 Minuten nach Abschalten der Beleuchtung werden die Frösche wach und klettern munter im Geäst umher, immer auf der Suche nach Nahrung. Hungrige Tiere sind auch in der Helligkeit aktiv. Mit schwacher Beleuchtung und Dimmern ließe sich die Aktivitätsphase auch etwas vorverlegen. Dies ist der einzige Makel, den die Rotaugenfrosch-Haltung mit sich bringt: Die Art ist extrem dunkelheitsliebend!

Agalychnis callidryas bei seinem nächtlichen Spaziergang im Terrarium.

Die einen sind "Frühaufsteher", andere eher "Langschläfer".
Vor allem abends und morgens sind die Rufe der Männchen wahrzunehmen. Sicherlich wird die Nachzucht nicht lange auf sich warten lassen. Dazu muss ein entsprechendes Terrarium eingerichtet werden, in dem eine Regenzeit mittels Dauerberegnung simuliert werden kann.

Am 5. Februar 2001 konnte in den frühen Abendstunden das erste Paar in Kopula beobachtet werden. Das viel kleinere Männchen lässt sich hier vom größeren Weibchen tragen, bis eine geeignete Ablaichstelle gefunden ist.

Geeignete Wasserbehälter entsprechender Größe befinden sich im Terrarium. Agalychnis sucht dann und wann diese Behälter auf und "tankt" Feuchtigkeit, indem er sich fast gänzlich untertaucht.
In der letzten Zeit wird das Terrarium mit einem Ultraschallvernebler zusätzlich zum regelmäßigen Sprühen befeuchtet. Die Frösche genießen das sehr. Zeitweise sind sie sogar aktiver.

Ich halte meine Rotaugenlaubfrösche mit Dendrobates auratus, dem Goldbaumsteiger-Pfeilgiftfrosch (in "normal" und in "blau"), zusammen. Beide Arten leben im gleichen Biotop in Mittelamerika.
Zur Zucht habe ich sämtliche Rotaugenfrösche in ein spezielles Zuchtterrarium (45x45x90cm) überführt, in dem über eine Zeitschaltuhr das gesamte Inventar mehrmals am Tag künstlich beregnet wird. Dadurch wird die Zuchtbereitschaft ganz entscheidend gefördert.



Eine Motorpumpe fördert Osmosewasser (hinterlässt keine Kalkflecken) in einem Schlauchsystem bis an die Decke des Beckens, wo es über perforierte Rohre abregnet. Ein Teil des Wassers wird in den großen Wasserteil zurückgeleitet, um die Kraft des Regens etwas abzuschwächen.


Bereits wenige Tage später kopulieren die ersten Frösche in ihrem neuen Zuhause, zum Teil sogar so heftig, dass gleich drei Tiere aneinander hingen. Auch beim Handkontakt lassen sie sich nicht stören. Zeitweise sind die Tiere durch den steten Regen so angespornt, dass sie sich wilde Verfolgungsjagden durch das Terrarium liefern.
Es klappte wie im Lehrbuch: Wenige Tage später fand ich erste Laichballen an der Unterseite von über dem Wasser hängenden Blättern. Zur besseren Kontrolle und späteren Versorgung der Quappen separierte ich die Gelege und hängte sie mitsamt Blatt in einem Plastikterrarium mit 1/4 Wasser auf.


Einen Tag später startet die Larvalentwicklung mit Ausbildung der sogenannten Neuralrinne.
Die Quappen schlüpfen in der Regel nach 4-5 Tagen und fallen ins Wasser.


Die Eier zeigen bereits am zweiten Tag nach der Ablage deutliche Entwicklungsspuren.

Eier am zweiten Entwicklungstag: Quappen sind mit dem Dottervorrat gut zu erkennen.

Eier eines Laichballens am dritten Tag. Es ist eine fortschreitende Entwicklung zu erkennen, ebenso wie ein scheinbar unbefruchtetes Ei ganz oben am Bildrand. Die Quappen bewegen sich jetzt auch stark in den Eiern.

Bald schon werden die jungen Kaulquappen schlüpfen. Augen und Körper sind jetzt, am vierten Tag, deutlich wahrzunehmen.

Der fünfte Tag: Die Quappen sind voll entwickelt, verfügen aber noch über einen Dottersackrest. In diesem Alter fallen die Kaulquappen bereits ins Wasser.

Geschafft: Alle Kaulquappen sind geschlüpft und ins Wasser gefallen. Ihre erste Nahrung besteht aus Algen und feinsten Schwebstoffen.

Die Quappen in ihrem Aufzuchtaquarium. Jetzt, wenige Tage nach ihrem Schlupf, kann mit fein zerriebenem Zierfisch-Flockenfutter gefüttert werden. Auch wurde eine algenbewachsene Wurzel aus einem eingefahrenen Aquarium eingelegt, um die Nahrungspalette zu erweitern.

Die Quappen während einer Grundreinigung ihres Aquariums. Jetzt sind sie bereits etwa 2 Wochen alt und enorm gewachsen.

Meine Rotaugenlaubfrösche, 2-jährig, in einer Box während der Grundreinigung ihres Terrariums.

Jungtiere vom Oktober 2000 (da brachten wir wieder ein kleines Gelege aus Costa Rica mit) haben teilweise helle Flecken am Rücken.

Die oben genannten Jungfrösche in ihrem Aufzuchtterrarium, im Mai 2001.
Aus bislang nicht gänzlich geklärten Gründen überlebte bis September 2001 nur ein Tier.
zurück
zur Tierfoto-Seite!
back to the animal pictures page!