Actias selene

(Hübner 1807)

(phot. Internet)

Indischer Mondspinner

Indian Moon Moth


Im folgenden Bericht geht es um die Auf- und Weiterzucht eines äußerst hübschen und interessanten Nachtfalters: Der Indische Mondspinner (es existiert eine Reihe von Unterarten und eine recht ähnliche Art aus Nordamerika, der Mondspinner  Actias luna) aus der Familie der sogenannten Saturniden (Augenspinner) ist seit langer Zeit ein fester, faszinierender Bestandteil etlicher Insektenzuchten und ist regelmäßig auf Insektenbörsen zu erhalten, sei es als Lebendmaterial in Form von Eiern, Raupen oder Kokons oder aber auch als Präparat. Ein Grund ist seine relativ einfache Zucht und seine geringen Ansprüche, was die Futterpflanze der Raupen angeht: 

(phot. D. Eckardt)

Sie lassen sich nämlich, für die Winterzucht vorteilhaft, u.a. mit Rhododendronlaub ernähren.

(phot. D. Eckardt)

Bereits kurz nach dem Schlupf sind die erst 5-6mm großen Jungräupchen in der Lage, die harten und ledernen Blätter des Rhododendron zu benagen. In diesem Jungstadium sind die Tierchen noch rot gefärbt, was mit zunehmenden Wachstum in Grün umschlägt.

(phot. D. Eckardt)

Trotz ihrer Zartheit haben die Räupchen einen gesegneten Appetit. Schon bald sind entsprechende Mengen möglichst schadstoffunbelasteten Rhododendrons, z.B. aus Parkanlagen, zu beschaffen!

Für die Zucht sind einfache Glasbehälter in Form von Terrarien geeignet, die über möglichst große Lüftungsflächen verfügen sollten. Stickluft bekommt den Raupen gar nicht. Für den Start sind auch transparente Plastikdosen geeignet, die man hin und wieder, unter Aufsicht, lüften kann. Mit zunehmendem Wachstum muss man größere Behälter anbieten.

(phot. D. Eckardt)

Die Futterzweige können ganz simpel in das Terrarium gestellt oder auch in mit Wasser gefüllte Gläser oder Vasen platziert werden, wodurch sie länger frisch bleiben. Die Öffnung solcher Gläser muss man gegen ein mögliches Ertrinken der Raupen mit Watte o.ä. zustopfen. Küchen- oder Fliespapier auf dem Behälterboden ist von Vorteil und mehrmals pro Woche zu wechseln, da die Raupen große Mengen Kot produzieren. Man kann für eine etwas erhöhte Luftfeuchtigkeit sorgen, indem man das Papier etwas feucht hält. Dadurch erleichtert man den Raupen auch die Häutung und das spätere Einspinnen in den seidenen Kokon. Hin und wieder kann mit temperiertem Wasser gesprüht werden. Oft trinken die Raupen dann auch die Wassertropfen von den Blättern.

Bei einem Wechsel der Futterzweige ist darauf zu achten, die Raupen möglichst sanft mittels kleiner Pinzette oder per feinem Pinsel von der alten Futterquelle abzusammeln. Sie sind leicht bei dieser Aktion verwundbar! Hier muss man äußerste Vorsicht walten lassen. Man kann auch die Zweige mit den Raupen entsprechend einkürzen (scharfe Schere dazu benutzen), ohne aber die Raupe zu verletzen!

Meist bekommt man auf Börsen, in der Fachpresse oder im Internet Eier angeboten. Diese ähneln Senf- oder Hirsekörnern. Sie sind recht erschwinglich und kosten, oft als Dutzend zu erhalten, nur wenige Euro. Man sollte durchaus zwei bis drei Dutzend Eier erwerben. Hin und wieder kann es vorkommen, dass nicht aus allen Eiern Raupen schlüpfen. Auch entwickeln sich später u.U. nicht alle Falter optimal (Exemplare mit verkrüppelten Flügeln können sich übrigens wie "gesunde" Falter verpaaren) . Manche Männchen können auch unfruchtbar sein und sind somit für die Zucht ungeeignet. Die fertigen Actias selene nehmen übrigens keinerlei Nahrung mehr zu sich und haben leider keine lange Lebensdauer. Die Antennen der Männchen sind stärker ausgeprägt, als die der Weibchen. Auch haben Männchen eher "mondförmige" Flügel, die Flügel der Weibchen sind nach unten hin etwas mehr nach außen gebogen. Eine Paarung findet bereits etwa 24 Stunden nach dem Schlupf statt. Männchen fliegen vorher sehr viel und ausgiebig. Nach etwa zwei Wochen sterben die Weibchen (diese haben dann mehrere Hundert Eier abgelegt), Männchen gehen oftmals früher ein.

Bereits nach wenigen Tagen  sind die Jungraupen erstaunlich gewachsen. Wenn Sie etwa einen Zentimeter groß sind, kann man sie auch in Gruppen trennen und so auf mehrere Behälter verteilen.

(phot. D. Eckardt)

Die Tiere können sich auch selbst Verletzungen zufügen (beim Übereinanderkriechen durch die spitzen Dornenfortsätze) oder sich gar anfressen, wenn sie auf zu engem Raum zusammen leben. Wärme lässt zwar die Raupen schnell wachsen, aber ein Zuviel davon sollte unbedingt vermieden werden. Man erhält oftmals dann viel zu kleine oder unfruchtbare Falter. Eine Durchschnittstemperatur um die 24-25°C mit leichter nächtlicher Absenkung um ca. 2-3°C ist wohl optimal.

Die Raupen häuten sich mehrmals. Sind sie etwa 1,5 - 2cm lang, färben sie sich grün, die Tuberkel werden gelblich-orange.

(phot. D. Eckardt)

Es vergeht nur relativ kurze Zeit, bis die Raupen mehr Platz benötigen.

(phot. D. Eckardt)

Jetzt sollte man sich auch vor den feinen dunklen Haaren in Acht nehmen, die aus den Tuberkeln wachsen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es bei Berührung zu mehr oder weniger heftigen Hautirritationen und Brennen kommen kann (Brennhaare!).

(phot. D. Eckardt)

(phot. D. Eckardt)

Fast erwachsene Raupen, also solche, die kurz vor der Verpuppung stehen, messen nahezu 60mm! Auch färben sich solche Raupen etwas dunkler, wodurch sie insgesamt dunkelgrün erscheinen, der Kopfbereich wird etwas gelblicher.

Am 22.03.2003 ist es dann schließlich soweit: 

(phot. D. Eckardt)

Die erste Raupe spinnt sich ein, nachdem auch andere Tiere erste Spinnversuche z.B. an der Frontscheibe des Insektariums unternommen haben. Verpuppungsreife Raupen sind ca. 75mm lang. Jetzt dürften die anderen Raupen ebenfalls demnächst folgen...!

Schon bald hat sich die erste Raupe komplett eingesponnen. Dabei werden teilweise Blattreste mit eingearbeitet (links). Auf dem rechten Bild ist der teilweise offene, seidene Kokon zu sehen. Das Loch entstand beim Abschneiden des Kokons von einer Glasscheibe. Auch aus solchen (beschädigten) Kokons schlüpfen die Falter. So hat man auch die Möglichkeit, die Entwicklung im Inneren zu beobachten. Ich ziehe es vor, die Kokons von den Futterzweigen abzuschneiden und sie in speziellen Behältern schlüpfen zu lassen.

(phot. D. Eckardt)

Auf dem Bild unten ist die dem Kokon entnommene, frische Puppe von A. selene zu sehen. 

(phot. D. Eckardt)

Bereits jetzt schon sind Details des späteren Falters zu erkennen, z.B. Einzelheiten der Beflügelung, des Kopfes und des Restkörpers.

Der Kokon ist ein perfektes "Aufbewahrungsmittel" der Natur für die Puppe: Eine feste, wasserdichte Hülle, die aber luftdurchlässig ist. Eine Art Reuse befindet sich an der oberen Spitze des Kokons, die dem schlüpfenden Schmetterling das Herauskriechen erleichtert. In der Zucht kann man diese Reuse auch noch ein wenig, vorsichtig, erweitern. So kann eigentlich nichts mehr passieren.

Zum Schlupf hänge ich die Kokons mit einer kleinen Nadel an einer Styroporwand im Flugbehälter auf. Der Boden dieses Insektariums ist mit stets feuchtem Sphagnum-Moos (erhältlich im Gartencenter) ausgelegt, um eine hohe Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten. Die Temperaturen liegen im Durchschnitt bei etwa 25-26°C.

   

(phot. D. Eckardt)

Bei den tropischen Verhältnissen im Schlupfterrarium dauert es nicht lange, bis aus den ersten Kokons die Falter herauskrabbeln: Etwa 3-4 Wochen...

(phot. D. Eckardt)

Zurück bleibt die abgestreifte Puppenhülle im Innern des Kokons. Man sollte übrigens die ruhende Puppe im Kokon nicht allzu oft stören, da sich die Puppen dann heftig bewegen und dies unnötig Kraft kostet. Den frischgeschlüpften Falter sollte man ebenfalls nicht anfassen. Schnell beschädigt man so die Flügel und oftmals stoßen die Männchen fast ihren gesamten Samenvorrat dabei aus, was sie zur Weiterzucht natürlich unbrauchbar macht. Lediglich zu Präparationszwecken kann man den Falter gleich nach dem "Aufpumpen" der Flügel und dem anschließenden Aushärten von seinem Platz wegnehmen.

Man kann dann auch einige Zweige des Rhododendron in den Behälter stellen (in Wasser), an dem die Weibchen später ihre Eier ablegen. Bald schon schließt sich so der Kreis! Die Weibchen legen ihre Eier aber nicht nur an Pflanzenteilen ab, sondern auch am Boden, an den Seitenteilen des Behälters usw.

Man kann die Eier absammeln und auf Papier in einer kleinen Dose schlüpfen lassen: Eine neue Generation von Indischen Mondspinnern für andere Hobby-Entomologen!

(phot. D. Eckardt)