Vogelspinnen als Terrarientiere
Vogelspinnen gehören zu den Terrarientieren, die vergleichsweise einfach und weitgehend problemlos zu halten und zu pflegen sind.
Für die Unterbringung der allermeisten Arten genügt ein sogenanntes Standardterrarium in den Maßen 30x20x20cm (Länge x Breite x Höhe), wie es auch bereits im Fachhandel speziell für die Spinnenpflege angeboten wird. Hat man jemanden an der Hand, der gut mit Glas umgehen kann, so ist der Eigenbau in jedem Falle aber kostengünstiger. Das Terrarium wird mit Lüftungsflächen im Deckel und (nicht unbedingt erforderlich) im unteren Vorderteil versehen.
Megaphobema robusta-Terrarium. Terrarien für Vogelspinnen können auch naturnah eingerichtet werden.
Wählen Sie ruhig kräftiges Lochblech. Ich erlebte schon, dass sich insbesondere große Arten, wie z. B. Citharischius crawshayi oder Hysterocrates hercules durch Gazeflächen mit der Zeit hindurchbeißen können. Als Terrariumtür wählt man am besten eine gläserne Schiebetür nach dem "Fallbeil-Prinzip", die also durch Heraufschieben nach oben zu öffnen ist. So wird ein zufälliges Offenstehenlassen, wie es bei Seitenschiebetüren passieren kann, verhindert.
Das Terrarium füllt man mit lockerem Torf-Sand-Gemisch (oder nur Torf; keine gedüngte Blumenerde verwenden) und richtet das Becken nach den Bedürfnissen des Tieres und nach seinen eigenen Vorstellungen ein. Finden Sie hier bitte einen guten Kompromiss!

Eupalaestrus tarsicrassus im Terrarium. Über den Boden verstreute Pinienrinde schafft ein "urwaldähnliches" Aussehen.
Jede Vogelspinne braucht Versteckmöglichkeiten in Form von gewölbter Baumrinde (Kork o.ä.) oder hohlen Steinen (gegen Umwerfen sichern!). Das Einbringen von Laub als Unterschlupfmöglichkeit bietet sich ebenfalls an. Sollten Sie frisch aus dem Wald geholtes Holz verwenden wollen, so prüfen Sie bitte vorher, ob sich eventuell für die Spinne gefährliche Kleintiere darin befinden (Hundertfüßer, Ameisen usw.). Im Zweifelsfalle wird solches Holz im Backofen kurze Zeit erhitzt. Der Fachhandel versorgt den Pfleger allerdings mit einer reichlichen Auswahl an geeigneten Einrichtungsgegenständen, auf die getrost zurückgegriffen werden kann.

Lasiodora klugi im Terrarium. Die Efeutute muss alle paar Wochen zurückgeschnitten werden.
Die Verwendung lebender Pflanzen setzt voraus, dass frisch erworbene Pflanzen vorher von eventuellen Schutzmitteln befreit werden. Dazu werden sie unter warmem Wasser vorsichtig abgebraust. Benutzen Sie keine stacheligen Kakteen, die der Spinne unter Umständen Verletzungen zufügen könnten. Verwenden Sie z. B. die Kletterfeige, Ficus repens, oder die Efeutute, Raphidophora aurea.

Terrariumkomplex für Theraphosa blondi (Französisch-Guyana), als Regenwaldbiotop eingerichtet. Zur Fütterung wurden (abgetötete) Vielzitzenmäuse bereitgelegt. Der Verzehr dauert etwa 24 Stunden.
Ein flaches Wasserschälchen darf nicht fehlen, da Vogelspinnen schnell austrocknen können. Das Schälchen darf nur so hoch sein, daß die Spinne mühelos wieder der Schale entsteigen kann (2x3x2cm). Das Terrarium ist 2-3x pro Woche mit handwarmem Wasser einzusprühen, die Spinne aber dabei nicht selbst zu treffen.
Eine Beckenbeleuchtung kann, muss aber nicht sein. Lediglich für die Bepflanzung sollte entsprechendes Licht angeboten werden. Eine Verwendung von speziellen UV-Röhren bzw. -lampen ist nicht erforderlich. Handelsübliche 18W-Leuchtstoffröhren reichen aus. Bitte platzieren Sie ein Vogelspinnen-Terrarium niemals in die pralle Sonne (Überhitzen tötet Vogelspinnen sehr schnell!)!!!
Für baumbewohnende Arten ist das Terrarium entsprechend um 15-20cm höher zu wählen. Dann sollte auch etwas Klettergeäst eingebracht werden.
Gefüttert werden Vogelspinnen (erwachsene) etwa alle 10-14 Tage mit Grillen, Heimchen, Heuschrecken oder Schaben (Heimchen und Schaben können sich in Wohnräumen halten, bitte sorgfältig damit umgehen oder darauf verzichten!!!). Auch nestjunge Mäuse (bei großen Arten auch tote große Mäuse, s.o.) können angeboten werden. Kleinere Vogelspinnen (Jungtiere, die sogenannten Spiderlinge) füttert man öfter, etwa 1x pro Woche, z.B. mit Fruchtfliegen (Drosophila).

Drosophila kann man recht einfach als Zuchtansatz erwerben und auch weiterzüchten.
Eine Vogelspinne ist dann gut genährt, wenn ihr Abdomen, der Hinterleib, deutlich größer ist, als ihr Cephalothorax, der Vorderkörper ohne Beine. Spinnen, die ein deutlich schlankeres Abdomen aufweisen, sind nicht ordnungsgemäß gefüttert worden, bzw. haben sich vor ganz kurzer Zeit gehäutet (dies kostet Kraft und zehrt an den Nährstoffreserven). Eingefallene und faltige Abdomen sind auch ein Erkennungsmerkmal für den schlechten Ernährungszustand. Alte Männchen haben dieses Merkmal auch oft!
Liegt die Spinne auf dem Rücken auf einem Seidenteppich, so will sie sich häuten (siehe auch hierzu unter (Fast) alles über Vogelspinnen). Dann sollte sie nicht gestört oder gar von Hand umgedreht werden! Nach einer Woche kann man mit dem Füttern wieder beginnen, da dann das Chitingerüst wieder ausgehärtet ist.
Anfänger wählen als "Einstiegsobjekt" eine Art aus der Gattung Avicularia, Brachypelma, Grammostola oder Pamphobeteus, die allesamt recht pflegeleicht sind. Dabei sollte man auf jeden Fall ein Weibchen aussuchen (lassen Sie sich hier vom Anbieter beraten), das entschieden länger lebt, als ein vergleichbares Männchen.
Vogelspinnenkrankheiten sind fast gänzlich unbekannt. Ist die Vogelspinne erkrankt, so kann ein Besuch beim Spezialisten vielleicht helfen.
Milbenbefallene Tiere sind (im Anfangstadium) gut mit einem Pinsel und Isopropanol-Alkohol zu behandeln. Dazu nimmt man das Tier in eine stabilisierende Lage (zwischen Daumen und Zeigefinger - lassen Sie es sich vom Fachmann vormachen! ACHTUNG bei aggressiven Arten; hier nur den Fachmann arbeiten lassen!!!) und tupft die umherlaufenden Milben mit dem alkoholgetränkten Pinsel ab, bis man keine Milben mehr sieht. Dabei ist darauf zu achten, dass kein Alkohol in die Lungen- und Geschlechtsöffnungen des Tieres eindringt. Die Spinne ist daraufhin etwas trockener zu halten, das Terrarium ist komplett neu einzurichten (vorher mit heißem Wasser reinigen!) und Futterreste sind gut zu entfernen. Keine Milben-Strips o.ä. verwenden. Milben sind Spinnentiere!!!
Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.