Automeris tridens

(phot. Internet)
Aus Mittelamerika stammt ein weiterer hübscher Augenspinner: Automeris tridens.
Ich erhielt 60 Eier von Weibchen aus Flores, Guatemala, über einen Züchter aus der Schweiz.
Nach knapp 2 Wochen schlüpften zu nahezu 100% die Jungraupen aus, die dann, nach weiteren 2-3 Tagen, Buchenblätter als Nahrung annahmen. Unglücklicherweise fiel die Zucht in die frühe Herbstzeit, sodass ich schon bald gezwungen war, auf eine andere Laubsorte umzusteigen. Dies kann mitunter Probleme bereiten, wenn die Raupen sich strikt weigern, anderes Futter anzunehmen.
Zu Anfang fressen die Raupen, die übrigens, wie bei so vielen Arten der Gattung Automeris traumhaft schön anzusehen sind, noch nahe beisammen:

(phot. Dirk Eckardt)
Auch hier ist wieder oberstes Gebot, auf die Sauberkeit im Aufzuchtbehälter zu achten. Spätestens alle zwei bis drei Tage muss das Bodenpapier gewechselt werden. Das neu eingelegte Tuch kann kurz angefeuchtet werden. Bisher habe ich die Jungraupen noch nicht eingesprüht. Die Luftfeuchtigkeit ist allerdings durch das feuchte Küchenpapier stets hoch genug. Bei Temperaturen um etwa 24-26°C haben die Raupen einen durchweg gesegneten Appetit:

(phot. Dirk Eckardt)
Wie oben bereits erwähnt, war ich Anfang Oktober gezwungen, Kirschlorbeerlaub statt Buchenblätter zu reichen. Das Internet bietet genügend Erfahrungsberichte, so u.a. unter www2.actias.org dazu. Zur Zeit ziehe ich also die Raupen auf diese Weise groß und warte nun auf erste, hoffentlich erfolgreiche Resultate. Es ist ratsam, nicht sofort komplett auf eine neue Futterpflanze umzustellen, sondern ruhig noch ein paar Blätter der alten Sorte mit hinein zu legen. Das Bild zeigt, dass der Großteil der tridens-Raupen die neue Futtersorte gut annimmt:

(phot. Dirk Eckardt)

(phot. Dirk Eckardt)
Nachdem mit stetigem Wachstum der tridens-Raupen etwa zeitgleich die Verpuppung von Dirphia avia-Raupen im Amazonashaus der Dortmunder Zoos einherging, wechselte ich die Schauinsekten entsprechend aus: Nun können die Zoobesucher die Entwicklung der Automeris-Raupen verfolgen.
Hin und wieder sorgt ein Nebel aus der Sprühflasche für eine tropische Luftfeuchtigkeit:

(phot. Dirk Eckardt)
Wegen der günstigen klimatischen Verhältnisse im Tropenhaus spinnen sich die Raupen rasch ein und verpuppen sich. Dazu weben sie Blätter zusammen und fertigen ihren kunstvollen Kokon. Zur Ansicht sind einige Puppen dem Kokon entnommen worden. Am oberen Ende des Kokons ist überdies die abgestreifte letzte Raupenhaut erkennbar:

(phot. Dirk Eckardt)
Es vergehen nur wenige Wochen, da schlüpfen die ersten Falter von tridens! Wiederum führe ich die rasche Entwicklung auf die tropischen Temperaturen zurück:

(phot. Dirk Eckardt)
Auf diesem Bild ist die herrliche Zeichnung der Falter gut zu erkennen. Die Augenflecken sind allerdings tagsüber in Ruhestellung nicht zu sehen, denn dann legt die Motte ihre Flügeldecken übereinander und wirkt unscheinbar braun. Ein Sinn dieser weithin sichtbaren Musterung liegt z.B. darin, dass ein angreifender Vogel zuerst auf die "Augen" pickt und somit das Insekt die Flucht ergreifen kann, weil sein empfindlicher Körper nicht attackiert wird!

(phot. Dirk Eckardt)
Im obig gezeigten Schlupf- und Zuchtbehälter sind fertige Falter, Puppen und Kokons untergebracht. Einer der Automeris hängt an der Futterpflanze der Raupen, Kirschlorbeer. In die links aufgestellte Plastikdose sind Erdpuppen von Dirphia avia eingelegt.