Die „zivile“ Darstellung eines Templers

 

von Heidi Witt

 

Wer als Neueinsteiger nach einem geeigneten Charakter sucht, findet sich schnell vor ein Problem gestellt: die Darstellung eines kämpfenden Ritters ist einerseits nicht einfach, da gewisse Kenntnisse im „Waffenhandwerk“ sinnvoll sind, andererseits setzt die Anschaffung einer kompletten Ausrüstung ein ordentliches finanzielles Polster voraus. Oder (auch das gibt es) man möchte gerne den Templern beitreten, hat aber kein Interesse am Kämpfen und Kriegshandwerk. Für diesen Fall gibt es eine schöne Alternative: die „zivile“ Darstellung. Sie eignet sich sehr gut für den Einstieg und kann nach und nach (bei Bedarf) zu einer kämpfenden Darstellung ausgebaut werden.

 

Hintergrund

Ein Ordenshaus bestand nicht allein aus kämpfenden Ritterbrüdern. Speziell bei den Sergeanten war es stets so, dass zwei „Kategorien“ von Dienenden Brüder parallel bestanden: die kämpfenden und die nicht-kämpfenden Sergeanten. Nichtkämpfende Brüder kamen in allen Bereichen des Ordenshauses zum Einsatz: als Köche, Tischler, Gärtner, Schmiede… Sie waren „vollwertige“ Brüder, die den Ordensregeln ebenso unterstellt waren wie die kämpfenden Sergeanten.

Auch bei den „weißen“ Rittern sind zivile Darstellungen denkbar. Es wird wohl auch Veteranen gegeben haben, die zu alt zum Kämpfen waren oder Brüder, welche aus wie auch immer gearteten Gründen nicht mehr kämpfen konnten oder wollten. Auch sie verweilten weiterhin im Ordenshaus und kommen somit für eine zivile Darstellung in Frage.

Außerdem entspricht die aufgeführte Kleidung der Ausrüstung aller Brüder, wenn sie sich im Ordenshaus aufhielten und kann somit von allen Darstellern als Alternative zum Kettenhemd und Waffenrock getragen werden.

 

Grundsätzliches zur Kleidung

Grundsätzlich waren alle Kleidungsstücke aus Wolle, Leinen war in Ausnahmefällen erlaubt, aber eher selten. Wer sich die Mühe macht,  eine entsprechende Ausrüstung anzuschaffen, sollte auch heute auf diese Materialien zurückgreifen. Zum einen stört modernes Gewebe eine gute Darstellung ganz erheblich (man sieht es fast immer!), zum anderen ist historisch korrektes Material auch einfach zweckmäßiger und entwickelt einen wesentlich höheren Tragekomfort.

Sergeanten trugen generell dunkle Kleidung aus ungefärbter Wolle. Variationen von Dunkelbraun über Dunkelgrau bis Schwarz sind möglich.

Für Ritterbrüder gab es zwei Alternativen: die meisten Darstellungen zeigen die Ritterbrüder in dunklem Ordensgewand mit dem typischen weißen Mantel darüber. Es gibt allerdings auch eine Abbildung mit weißer Tunika.

 

Welche Kleidung wird benötigt?

Bruche

 (die Unterhose des Mittelalters) aus ungebleichtem Leinen mit dunklen Beinlingen aus Wolle. Alternativ kann auch eine einfache Hose mit engen Hosenbeinen benutzt werden.

 Leibhemd

 (Unterhemd), ebenfalls aus Leinen. Dieses Unterhemd kann ggf. auch entfallen, da man es unter der weiteren Kleidung nicht sieht. Allerdings hat es doch einen nicht unerheblichen wärmenden Effekt.

Cotta

Ein knöchellanges Gewand mit langen, eng anliegenden Ärmeln nach einfachem Schnitt. Im Gegensatz zu den kämpfenden Brüdern hatten die „zivilen“ Cotten keine Reitschlitze.

 Tunika

DAS Mönchsgewand schlechthin, auch unter dem Namen „Kutte“ geläufig. Die Tuniken des Mittelalters unterschieden sich nicht wesentlich von den modernen Varianten, am ehesten dient die Kutte der Franziskaner als Vergleich.

Die Tuniken waren gut knöchellang, hatten lange, etwas weitere Ärmel und waren allgemein relativ weit geschnitten. Eine angesetzte Kapuze ist wahrscheinlich.

Nach Quellenlage trugen die Templer KEIN Kreuz auf der Tunika. Allerdings gibt es zahlreiche Darsteller, die ihre Tunika mit einem kleinen roten Kreuz über dem Herzen (oder auch auf der Brust) versehen, um eine Unterscheidung von anderen Ordensleuten möglich zu machen. Die Entscheidung sei an dieser Stelle dem Darsteller überlassen.

Mantel

Radmantel, am besten als ¾-Kreis geschnitten. Höchst wahrscheinlich war keine Kapuze am Mantel angeschnitten (allerdings erweist sie sich in der Praxis heutzutage als sehr nützlich).

Weiß für Ritterbrüder, dunkel (s.o.) für Sergeanten. Rotes Tatzenkreuz über dem Herzen.

 

Weitere Kleidungsstücke

Denkbar sind eine Cappa oder Cuculle als Reisemantel oder für die Arbeit, um den Mantel zu schonen. Nicht erlaubt war die Gugel!

Schuhe

weiche Lederschuhe, knöchelhoch. Keine Stiefel, keine Sandalen. Denkbar wären Holzschuhe für spezielle Arbeiten (Garten o.ä.), normalerweise wurden aber Lederschuhe getragen.

Ein einfacher Leder-Langgürtel ohne Verziehrungen. Ein Strick als Gürtel wie bei den Franziskanern war nicht üblich!

Bundhauben waren üblich, darüber trug man eine weiche Kappe aus Wollfilz.

 

Sonstiges

Messer am Gürtel; Paternoster; Löffel zum Essen; Hornschale; Trinkbecher aus Holz oder Ton; Brotbeutel zum Umhängen; Serviette und Tischtuch aus Leinen.

Für Handwerker sind natürlich alle möglichen Schürzen oder handwerksspezifischen Utensilien denkbar, Details würden hier den Rahmen sprengen.