Text:
Dirk Eckardt
Fotos:
Sabine Spieker-Eckardt
Wenn ein Trip ins
Heilige Land, also nach Jerusalem und Umgebung schon nicht so ganz einfach zu
bewerkstelligen ist, dann sollte es doch wenigstens zum Vorposten im Mittelmeer
gehen – nach Zypern. Die Insel liegt mit ihrer äußersten Ostspitze nur 95km
vom Festland Syriens entfernt. Die Entfernung zum Libanon beträgt gerade einmal
173km. Immer schon war Zypern Schnittpunkt zwischen Morgen- und Abendland, nicht
nur geografisch und strategisch, sondern auch kulturell.
Als „Outremer“
bezeichnete man damals, im Hohen Mittelalter, übrigens das „Land jenseits des
Meeres“, also jene Region, die es auf den Kreuzzügen zu erobern (und zu
halten) galt.
Bewohnt ist
Zypern schon seit etwa 10.000 v. Chr., also seit der Neusteinzeit, was sehr schön
bei Choirokoitia nahe Larnaka zu besichtigen ist. Hier kann man Ausgrabungen und
Rekonstruktionen bewundern:
Viele Völker
tummelten sich von nun an auf der drittgrößten Mittelmeerinsel: Assyrer,
Mykener, Perser, Ägypter, und Römer. Für den Mittelalterinteressierten bietet
Zypern weiterhin eine Fülle von Sehenswürdigkeiten, die uns natürlich
am meisten am Herzen lagen, z.B. Kreuzritterburgen und Kirchen aus der Zeit der
Lusignans, einem Adelsgeschlecht, das seit den Kreuzzügen bis etwa 1489 Zypern
stark beeinflusste.
Unsere Reise
führte uns hauptsächlich in den griechischen Südteil, in die Umgebung der Städte
Limassol und Larnaka. Der Norden ist türkisch, die Demarkationslinie führt
u.a. direkt durch die Hauptstadt Nicosia. Ein Passieren ist nur mit Tagesvisum
zu Fuß möglich, ein Leihwagen muss extra versichert werden. Wir unternahmen
solch einen Fußmarsch „in die Türkei“, weil dort viele wichtige Bauwerke
aus der Kreuzzugszeit zu sehen sind.
Der
englische König Richard der 1., genannt „Löwenherz“, eroberte Zypern 1191
auf seinem Weg ins Heilige Land beim 3. Kreuzzug. In der (Vorläufer-)Burg von
Lemesos, wie Limassol auf der Insel heißt, heiratete er Berengaria von Navarra:
Das Bauwerk,
dass man in Teilen bis zurück in die Zeit der Frühen Christen datiert, steht
wie eine riesiger und schnörkelloser Wehr- und Wohnturm mitten in der Altstadt
Limassols. Seine Mauern sind 1,50m dick und verwinkelte Gänge und Gefängniszellen
nehmen im Unter- und Mittelgeschoss viel Platz ein. Zur Zeit ist das Museum des
zypriotischen Mittelalters in der Burg untergebracht. Ihre jetzige Form stammt
wohl aus der Zeit um etwa 1590. Das untere Foto zeigt die Dachplattform der Burg
mit Wehrmauer und Meerblick:
Im Museum
finden sich hervorragend restaurierte Stücke aus der gesamten mittelalterlichen
Periode Zyperns. Sehenswert sind die glasierten und bunt eingefärbten Tonwaren,
wie Essteller und Krüge, die aus der Kreuzfahrerzeit stammen. Die typischen
irdenen Kugeltöpfe, wie sich noch heute teilweise als Kochgeschirr verwendet
werden, finden sich nicht nur im Museum, sondern auch vielerorts als nette
Dekoration in Tavernen und Restaurants:
Noch im
Hochzeitsjahr verkauft Richard Löwenherz die gesamte Insel an den Templerorden.
Letzterer führt eine sehr strenge Regentschaft ein und zieht damit schnell den
Unwillen der Bevölkerung auf sich. Es findet bald ein Aufstand gegen die
Templer statt, der diese dazu veranlasst, Zypern zu einem herabgesetzten Preis
weiterzuverkaufen. Der neue Besitzer heißt Guy de Lusignan, ein einflussreicher
französischer Kreuzritter, der damit die 300jährige Herrschaft seiner Familie
auf der Insel einleitet. Die Krönungskirche der Lusignans, die gotisch geprägte
Sophien-Kathedrale, ist im türkischen Teil Nicosias zu sehen und ist heute eine
Moschee:
Christliche
Ritterorden waren stark auf Zypern vertreten. Nicht nur die Templer, sondern
auch die Johanniter verewigten sich im Burgenbau und in der Produktion von Gütern.
Sie kelterten den berühmten „Commandaria“-Wein nahe ihrer Stammburg Kolossi
unweit von Limassol, einen süßen und würzigen Wein, der noch heute, aus einer
der ältesten Rebsorten der Welt, als Dessertwein Verwendung findet. Auch
produzierten sie Olivenöl, sowie Zucker aus Zuckerrohr. Teilweise sind die
Fertigungshallen heute noch erhalten. Zuckerrohr gedeiht sehr gut im
zypriotischen Klima und findet sich hier und da auch heute noch in der
Vegetation wieder.
Geradezu
atemberaubend war es, in den Hallen und großen Sälen von Kolossi zu stehen und
die Geschichte, zumindest in Gedanken, Revue passieren zu lassen. Im
Untergeschoss befanden sich die Keller- und Lagerräume, das oberste Geschoss
bewohnte der Großkomtur in einem geradezu luxuriösen Raum mit Kamin und
herrlichem Blick auf die umgebende Landschaft. Erfreulicherweise durfte man hier
auch innen fotografieren und filmen, was in der Burg von Lemesos aufgrund des
untergebrachten Museums leider nicht möglich war.
Weitere sehr
gut restaurierte Bauwerke des Mittelalters finden sich z.B. in Nicosia (türkische
Seite) in Form der alten Karawanserei von 1572 und in Pyla bei Larnaka, wo ein
Wehr- und Wachtturm aus venezianischer Zeit steht:
Zypern lohnt sich als Urlaubsort zu jeder Jahreszeit. Allerdings, so haben wir auch festgestellt, ist der Hochsommer sehr heiß und extrem trocken. In der Gegend um das Bergdorf Tochni bei Larnaka, das uns 8 Tage beherbergte, soll es wohl über 2 Jahre nicht geregnet haben! Schwer vorstellbar und doch Tatsache ist dann auch, dass Kreuzritter in schweren Kettenhemden, Helmen und Gambesons (dicke, wattierte Untergewänder, die u.a. zum Schutz gegen Schwerthiebe getragen wurden) umhergelaufen sind!
In den
Monaten Januar und Februar kann es auf dem Olympos, dem mit 1900m höchsten Berg
Zyperns sogar schneien. Im Frühling, nach leichten Regenfällen im Inland, erblüht
da die Insel und alles ist dort grün und bunt.
Apropos:
Urlaub gemacht haben wir natürlich auch;-). Die Zyprioten sind sehr
gastfreundlich und stets gut gelaunt. Hier wird man wirklich herzlich
aufgenommen!